Neue Studien betonen die Bedeutung von Impfungen im Kampf gegen tödliche Lungenentzündungen

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Malawi führt als 16. Entwicklungsland Impfstoffe gegen Pneumokokken ein

GENF, 10. November 2011 – Impfungen gegen Pneumokokken schützen vor der Hauptursache von Lungenentzündungen, sind äußerst kostengünstig und könnten in Entwicklungsländern Millionen Leben retten. Dies geht aus einer umfangreichen Untersuchung hervor, die am heutigen Donnerstag veröffentlicht wurde. Die Autoren eines Artikels im Fachmagazin International Healthgehen davon aus, dass die Einführung von Impfstoffen gegen Pneumokokken in den ärmsten Ländern der Welt mit Unterstützung der GAVI Alliance innerhalb der kommenden zehn Jahre drei bis vier Millionen Kindern das Leben retten könnte.

Ein weiterer Bericht, herausgegeben vom Internationalen Zentrum für Impfstoffzugang (International Vaccine Access Center, IVAC) an der Johns Hopkins Universität (USA), zeigt, dass die Fortschritte bei der Einführung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Lungenentzündung bisher ungleichmäßig sind. Die größten Erfolge wurden hierbei über den verbesserten Zugang zu Impfstoffen erzielt.  Hingegen ist der Zugang zu medizinischer Versorgung und Antibiotika in den  Ländern, in denen Kinder am stärksten durch Lungenentzündung gefährdet sind, weiterhin mangelhaft.

2008 starben mehr als 1,5 Millionen Kinder an Lungenentzündung – mehr als an jeder anderen Todesursache. Über 98 Prozent dieser Todesfälle ereignen sich in Entwicklungsländern. Doch es gibt immer mehr Belege dafür, dass sich diese Sterblichkeitsrate zügig senken lässt: Mit GAVIs Hilfe können die ärmsten Länder der Welt eher und schneller denn je Impfstoffe gegen Pneumokokken einführen, eine Hauptursache von Lungen- und Hirnhautentzündung.  Das Weltweite Pneumokokken-Serotyp-Projekt (Pneumococcal Global Serotype Project) geht davon aus, dass die neuen Impfstoffe mehr als 70 Prozent aller schweren Pneumokokken-Infektionen bei Kindern in Afrika und Asien verhindern können. In diesen Regionen besteht das höchste Infektionsrisiko für Kinder. 

„2011 werden 3,6 Millionen Kinder gegen Pneumokokken geimpft und bis Ende nächsten Jahres werden voraussichtlich weitere 10 Millionen folgen“, sagte Dr. Seth Berkley, Geschäftsführer der GAVI Alliance. „Am kommenden Samstag wird Malawi als 16. Entwicklungsland den Pneumokokken-Impfstoff für seine Kinder einführen. Und das ist erst der Anfang. Dank unserer Geber planen wir die Einführung dieser Impfstoffe in fast 60 Ländern bis 2015.”

Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beträgt die durchschnittliche Grundimpfrate in GAVIs Zielländern inzwischen etwa 80 Prozent. Im Jahr 2000 lag diese Rate noch bei 67 Prozent. Und dennoch: Während der Zugang zu Impfstoffen enorme Fortschritte verzeichnet, erhalten Kinder, die bereits an Lungenentzündung erkrankt sind, oft keine geeignete Behandlung mit Antibiotika. Dies betont auch ein Bericht des Internationalen Zentrums für Impfstoffzugang (IVAC),  der heute veröffentlicht wurde: Trotz der Fortschritte bei Impfungen in den 15 Ländern mit der höchsten Kindersterblichkeitsrate aufgrund von Lungenentzündung deuten aktuelle Zahlen auf ein suboptimales Niveau bei Schutz- und Behandlungsmaßnahmen hin. Zu diesen gehören das Stillen von Säuglingen, Zugang zu medizinischer Versorgung sowie die Behandlung mit Antibiotika.

„Impfungen und Antibiotika sind wie zwei Sicherheitsnetze, die zusammenwirken – Impfungen bieten eine erste Schutzschicht und Antibiotika gewährleisten, dass Kinder, die durch das erste Netz rutschen, nicht sterben“, so Orin Levine, Professor und geschäftsführender Direktor des IVAC.  „Wir müssen den enormen Fortschritt bei Impfungen, den wir dieses Jahres erreicht haben, aufrechterhalten und den Zugang zu Antibiotika ausweiten, um die Erkrankungen vollständig zu bewältigen.”

Die neue Studie (International Health) zeigt, dass die Einführung der Pneumokokkenimpfstoffe mit Unterstützung der  GAVI Alliance eine der besten Investitionen ist. In besonders gefährdeten Ländern ist Kosteneffektivität am höchsten.

„Wir wissen, dass Impfungen jedes Jahr hunderte Leben in Entwicklungsländern retten können”, so Anushua Sinha, eine Hauptautorin der Studie und Lehrbeauftragte der Abteilung für Präventive Medizin und Gesundheitswesen an der Universität für Medizin & Zahnmedizin von New Jersey, USA. „Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass Impfungen gegen Pneumokokken durch GAVIs Unterstützung zudem sehr kostengünstig sind, unabhängig davon, wie wir die Zahlen interpretieren.”

Die von GAVI finanzierte und von einer unabhängigen Forschungsgruppe durchgeführte Studie stellt fest, dass der Nutzen von Impfungen längst nicht bei den Kindern endet, die tatsächlich geimpft werden. Vielmehr würden auch ältere Erwachsene und Kleinkinder durch die sogenannte Herdenimmunität geschützt, da sie weniger Infektionsquellen ausgesetzt sind, so die Autoren. Weiterhin geht aus der Untersuchung hervor, dass Impfungen, die mit GAVIs Hilfe eingeführt werden,  vor mehreren Arten von Lungenentzündung schützen und hierdurch wiederum kostengünstig sind – mehr Leben retten.

Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf dem Impfstoffpreis zu den Konditionen von GAVIs Advance Market Commitment (AMC, etwa Verpflichtung zur vorgezogenen Markteinführung). Zu diesem von GAVI ausgehandelten Preis sind die Impfstoffe „in 69 der 72 GAVI-förderberechtigten Länder äußerst kostengünstig“, so Studien-Autorin Sinha. Daten zu den Kosten, die durch GAVI-Impfstoffe vermieden wurden, sind ebenso überzeugend:  Laut der Studie werden durch die direkten und indirekten Auswirkungen von Impfungen im Zeitraum von 2010 bis 2019 Kosten zwischen 986 Millionen und 1,2 Milliarden US-Dollar eingespart. Etwa 85 Prozent hiervon würden sonst für die Behandlung von Lungenentzündung ausgegeben.

Die weltweite Einführung von Impfstoffen gegen Pneumokokkenin Entwicklungsländern startete im Dezember 2010, als Nicaragua den Impfstoff mit GAVIs Unterstützung in sein Routineimpfprogramm aufnahm. Seitdem haben allein in diesem Jahr Kenia, Guyana, Sierra Leone, der Jemen, Honduras, die Demokratische Republik Kongo, Mali, die Zentralafrikanische Republik, Gambia, Benin, Kamerun, Ruanda, Burundi und Äthiopien die Impfung eingeführt. Am morgigen Welttag zur Bekämpfung von Lungenentzündung beginnt die Einführung in Malawi.

Ermöglicht wurden diese Fortschritte dank der Unterstützung der GAVI-Geber und der Entwicklung des Advance Market Commitment (AMC), einem innovativen Finanzmechanismus, für den GAVI den Weg bereitete. Mit 1,5 Milliarden US-Dollar aus Italien, Großbritannien, Kanada, Russland, Norwegen und von der Bill & Melinda Gates Stiftung fördert das AMC die Beschleunigung der Produktionskapazität der Hersteller, die derzeit Impfstoffe gegen Pneumokokken produzieren.

Im Juni 2011 sagten die Geber Unterstützung in der Höhe von insgesamt 4,3 Milliarden US-Dollar zu und ermöglichen auf diese Weise, dass GAVI mehr Kinder schneller als geplant erreichen kann und die Einführung neuer Impfstoffe zu beschleunigen.

Weitere Informationen unter www.gavialliance.org/pneumonia, www.jhsph.edu/ivac oder www.worldpneumoniaday.org.

Der „Fortschrittsbericht Lungenentzündung“ des IVAC steht hier zum Download bereit (englisch): http://worldpneumoniaday.org/wp-content/uploads/2011/11/IVAC-2011_PNEUMONIA_PROGRESS_REPORT.pdf

Bildmaterial: http://www.gavialliance.org/audiences/journalists/high-res-photos/
Video B-roll: http://vimeo.com/album/1660201

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Die GAVI Allianceist eine öffentlich-private Partnerschaft, die sich dafür einsetzt, das Leben von Kindern zu retten und die Gesundheit der Menschen zu schützen – durch den vereinfachten Zugang zu Impfungen und die Stärkung von Gesundheitssystemen. GAVI vereint alle wichtigen Akteure, die dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen: Regierungen von Entwicklungs- und Geberländern, die WHO, UNICEF, die Weltbank, Impfstoffhersteller in Industrie- und Entwicklungsländern, Forschungsinstitute, die Zivilgesellschaft, die Bill & Melinda Gates Stiftung, die „La Caixa“ Stiftung sowie weitere private Geber.

Die deutsche Bundesregierung unterstützt die Arbeit der GAVI Alliance seit 2006. Sie erhöhte ihre Beiträge von 4 Millionen im Jahr 2010 auf 20 Millionen Euro im Jahr 2011. Für 2012 kündigte Deutschland eine Steigerung auf 30 Millionen Euro an.

Das Internationale Zentrum für Impfstoffzugang (International Vaccine Access Center, IVAC) an der Johns Hopkins University engagiert sich für einen schnelleren Zugang zu lebensrettenden Impfstoffen weltweit – durch die Entwicklung und Einführung evidenzbasierter Strategien. Das Ziel des IVAC ist es, die richtigen Impfstoffe in die richtigen Gesundheitssysteme einzupassen um Millionen Kindern die Chance zu geben, zu gesunden und produktiven Erwachsenen heranzuwachsen. Ermöglicht werden die Projekte des IVAC durch Fördergelder in der Höhe von über 50 Millionen US-Dollar von der Bill & Melinda Gates Stiftung und der GAVI Alliance.

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24%

In total, 24% of children in Gavi-supported countries are not being vaccinated.

WHO/UNICEF

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